Über das Fachnetzwerk

Situation in Deutschland

Im Jahr 2014 waren laut UNO-Flüchtlingshilfswerk nahezu 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht - so viele wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr (UNHCR, 2014). Viele dieser Menschen fliehen vor Krieg, politischer Verfolgung, Diskriminierung oder Armut nach Deutschland. Im Jahr 2015 wurden fast fünfhunderttausend Anträge auf Asyl gestellt, das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorgängerjahr (BAMF). Gleichzeitig kam es in den letzten Jahren in Deutschland zu einem dramatischen Anstieg von Gewalt gegenüber Geflüchteten und Einrichtungen. Im Jahr 2014 brannte im Durchschnitt jeden dritten Tag eine Geflüchtetenunterkunft, 528 Übergriffe gab es 2015 insgesamt auf Unterkünfte, so Bilanz einer Chronik von Amadeu Antonio-Stiftung und PRO ASYL. Auch die Anzahl an rassistisch motivierten, gewaltätigen Übergriffen ist immer mehr angestiegen. Die Zivilgesellschaft sieht sich durch die seit einigen Monaten ankommenden Geflüchteten mit einer Vielzahl neuer Herausforderungen konfrontiert, insbesondere auch sozialen Dynamiken. Dabei geht es nicht nur um Themen wie Umgang mit neu Angekommenen und deren Integration, sondern auch um den Umgang mit Misstrauen und Ablehnung in der Bevölkerung bis hin zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Gründung des Fachnetzwerk Sozialpsychologie zu Flucht und Integration

Als Folge dieser Entwicklungen und den daraus resultierenden Herausforderungen wurde im April 2016 das Fachnetzwerk Sozialpsychologie zu Flucht und Integration gegründet. Das Fachnetzwerk besteht aus einem Team von Sozial- und Medienpsycholog*innen, die bereits zu den Themen Flucht, Integration sowie Rassismus und Rechtsextremismus forschen, beraten und praktisch tätig sind. Ziel ist es, die verschiedenen Kompetenzen in diesen Bereichen zu vereinen und Politik, Zivilgesellschaft sowie Praktiker*innen beratend zur Seite zu stehen.

Durch die breite empirische Basis dieser Forschung bietet die Sozialpsychologie wichtige Erkenntnisse darüber, welche Faktoren wichtig für erfolgreiche Integration sind. Wir wollen dieses Wissen für die aktuelle Situation in Deutschland nutzbar machen. Dazu sind verschiedene Angebote in Planung, die von Handreichungen für die Praxis bis hin zu angewandten, bedarfsorientierten Forschungsvorhaben in Kommunen oder Einrichtungen für Geflüchtete reichen.

Bisherige Aktivitäten und Projekte des Fachnetzwerk Sozialpsychologie zu Flucht und Integration

Das Fachnetzwerk entstand auf der Fachgruppentagung Sozialpsychologie 2016 in Potsdam. Seit November 2016 betreibt das Fachnetzwerk darüber hinaus eine Mailingliste mit 103 Mitgliedern. Es wurde bereits ein Small Group Meeting 2017 in Marburg abgehalten, welches von Sarina Schäfer organisiert und durch die Fachgruppe Sozialpsychologe der DGPs finanziert wurde. Auf der DGPs Tagung in Ulm 2017 wurde ein Workshop zum Thema veranstaltet, in dem weitere Projekte geplant wurden. Ein weiterer Workshop fand im März 2018 in Hagen statt.

Unter der Schirmherrschaft des Fachnetzwerkes – maßgeblich organisiert durch Dr. Juliane Burghardt und Dr. Katja Hahnke - entstanden zwei In-Mind Themenausgaben zu Flucht und Migration.

Es besteht die Möglichkeit der direkten Beratung und Weiterbildung durch Vorträge.